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Fokus 2008
Religiöser Fundamentalismus - Südafrika - Second Chance
Kanadische Kurzfilme - Porn - In Your Face! Hip-Hop-Clips - Familienfilm

Religiöser Fundamentalismus
"Fundamentalismus ist Diktatur des Verstandes, lebendige Kultur dagegen definiert sich über den Willen zu entdecken und zu erforschen und repräsentiert somit die endlose menschliche Neugier auf das eigene Wesen und nicht zuletzt die eigene vielseitige Sexualität. Wissen ist wichtiger als Dogma, Zweifel wichtiger als Sicherheit. Fundamentalismus bedeutet das Versagen unserer wohl signifikantesten menschlichen Eigenschaft: der Phantasie."
Dieses Zitat des britisch-pakistanischen Schriftstellers Hanif Kureishi ("Mein wunderbarer Waschsalon") stellen wir unserem Schwerpunkt als Motto voraus. Wir haben fünf Filme ausgewählt, die sich mit den
Auswirkungen von religiösem Fundamentalismus im Islam, im Juden- und im Christentum auf lesbisches, schwules und queeres Leben befassen. Dass queere Lebenskonzepte und religiös-fundamentalistische Ideen sich gegenseitig ausschließen, dürfte dabei klar sein. Denn Queer kritisiert gerade die (gesellschaftlich konstruierte) binäre Geschlechterdifferenz und die daraus resultierende Heteronormativität, die in fundamentalistischen Gesellschaften ein wichtiges Fundament des Glaubens und des propagierten Gesellschaftsbildes darstellt. In unserer Filmauswahl schlagen wir den Bogen von der Darstellung der Lebenssituation von Schwulen, Lesben und Transsexuellen in vorwiegend islamischen Ländern ("A Jihad for Love" und "Be Like Others") über homosexuelles Leben in Israel ("Jerusalem Is Proud to Present") zum US-amerikanischen evangelikalen Fundamentalismus aus lesbischer Sicht ("Born Again") und den Auseinandersetzungen über die eingetragene Partnerschaft im katholischen Italien ("Improvvisamente l-inverno scorso" / "Suddenly, Last Winter"). Im Mittelpunkt dieser Filme stehen Menschen, die mit besonderem  Mut für ihren Lebensentwurf und eine lebendige, queere Kultur kämpfen. cr

Programm 1: Be Like Others
Programm 2: Improvvisamente L-inverno scorso - Suddenly, Last Winter
Programm 3: A Jihad for Love
Programm 4: Jerusalem Is Proud to Present
Programm 5: Born Again

Südafrika
Südafrika hat im Hinblick auf homosexuelle Rechte eine der fortschrittlichsten Verfassungen weltweit. Dies und die in den letzten Jahren steigende Beliebtheit des Landes als (auch schwules) Reiseziel mag den Blick auf die für Schwule und Lesben nicht immer rosige Wirklichkeit am Tafelberg verstellen. Unser Länderschwerpunkt Südafrika reflektiert filmisch die Lebenssituation von Lesben und Schwulen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und widmet sich verschiedenen Aspekten schwul-lesbischer Kultur: vom Thema Coming-Out in der schwarzen Mittelschicht ("Society") über ein mitreißendes Porträt des politischen Drag-Künstlers Pieter-Dirk Uys – vielen auch bekannt als Evita Bezuidenhout ("Darling! The Pieter- Dirk Uys Story") – bis zu einer sehr persönlichen Dokumentation über AIDS-Aktivismus und den Kampf um homosexuelle Bürger_innenrechte ("Simon and I"). cr

Unser Länderschwerpunkt wird kuratiert und präsentiert von:
umdenken e.V. Die Heinrich-Böll-Stiftung in Hamburg setzt sich seit 1984 mittels politischer Bildungsarbeit für eine geschlechterdemokratische, interkulturelle und zukunftsfähige Gesellschaft ein, die in Bewegung ist und in der die Diskussion und die Einmischung Vorrang vor autoritären Entscheidungen, Rückzug und Desinteresse haben. www.umdenken-boell.de
und INISA e.V. (Initiative Südliches Afrika). INISA ist ein unabhängiges, überparteiliches Netzwerk für alle, die sich für die Länder des südlichen Afrikas interessieren. INISA bietet bundesweit Seminare, Filmvorführungen und Diskussionsabende zu politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Themen an. www.inisa.de

Programm 1: Society
Programm 2: Darling! The Pieter-Dirk Uys Story
Programm 3: Simon and I


Second Chance
Nach dem großen Erfolg unserer neuen Reihe Second Chance wollen wir auch in diesem Jahr zwei wunderbaren Filmen, die es nur kurz in die Kinos geschafft haben, eine zweite Chance geben. Wir hoffen, dass Euch "Love and Other Disasters" und "XXY" genauso gut gefallen wie uns!

Programm 1: Love and Other Disasters
Programm 2: XXY



A Complicated Queerness - kanadische Kurzfilme
Gibt es eine queere Ästhetik jenseits des allgemein vermittelten queeren Bildes?
Das ist die Frage, die sich wie ein roter Faden durch diese Auswahl von Filmen queerer Künstler_innen zieht. Komplexe Ideen und Bilder, widersprüchlich und vielschichtig, fügen sich dabei zu einem Oeuvre post-queerer Kunst zusammen. In diesem von Lauren Howes, der Leiterin des "Canadian Filmmakers Distribution Centre", für uns kuratierten Programm
durchkreuzen sich sehr persönliche und politische Sichtweisen gleichsam subtil und kraftvoll. "A Complicated Queerness" zeigt eben dies – und ist eine Verneigung vor diesen besonderen Filmen und ihren Macher_innen.
Es ist uns eine Ehre, Lauren Howes als unseren Gast begrüßen zu dürfen. Es wird Gelegenheit sein, ihr Fragen zum aktuellen Kurzfilmschaffen in Kanada zu stellen.

Programm: A Complicated Queerness


Porn
Sind Sexfilme Kunst? Oder Poesie? Im Fall des Siebziger-Jahre-Pornos "Adam & Yves" von Peter de Rome durchaus. Bereits der Titel verrät einen lyrischen Anspruch, während das Geschehen auf der Leinwand durch den verklärenden Schleier vergangener Zeit betrachtet wird. In halbdokumentarischen Bildern erzählt der Film die Geschichte einer Urlaubs-Affäre: Der  abgeklärte Franzose Yves gabelt auf den Straßen von Paris den bodenständigen Amerikaner Adam auf... Große Hardcore-Kunst!

Programm: Adam & Yves


In Your Face! - Hip-Hop In Retrospektive
Es wurde lange Zeit übersehen, dass Elemente afrikanischer Musik in die Entstehung von Rock ’n- Roll eingeflossen sind; ebenso wurde ignoriert, dass Discomusik maßgeblich von schwuler Subkultur geprägt war. Bei genauerer Betrachtung der Hip-Hop-Geschichte offenbart sich, dass auch Leute mit queerem Hintergrund ihre Perspektive in diese musikalische Gegenkultur eingebracht haben – denn immerhin haben die Pionier_innen des Hip-Hop in all ihrer ethnischen und sexuellen Vielfalt eines gemeinsam: Sie lieben es, die herrschende Macht zu provozieren. Diese Anthologie von Musikvideos feiert das audiovisuelle Erbe von Künstler_innen und Videoregisseur_innen, die dem Mainstream-Rap die Stirn geboten haben, indem sie sich mit ihren herausfordernden Klängen, Texten und Bildern vermeintlich selbstverständliche Homophobie und Frauenfeindlichkeit als Attribute des Hip-Hop positionierten. Frühe Botschafter_innen der Kunstform, Lieblinge der Homo-Hop-Szene und Künstler_innen, die es bis zu MTV geschafft haben, ohne ihr Anders-
sein zu verheimlichen, werden hier Eure Augen und Ohren erobern. Freut Euch auf spannende Aufnahmen und eigenwillige Fusionen von Hip-Hop mit Blues, R&B, Pop, Elektro, House und anderen Genres.

Programm: In your Face!


Familienfilm
In diesem Jahr starten wir unser Familienprogramm, denn in der queeren Community gibt es mittlerweile viel Nachwuchs, der auch mit ins Kino will! Es ist Zeichentrick-Zeit: Kinder und Jugendliche jeden Alters dürfen Bekanntschaft mit dem kleinen Eisbären in seinem ersten Kinoabenteuer machen.

Der Film ist freigegeben ohne Altersbeschränkung. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren haben in Begleitung von Erwachsenen freien Eintritt.

Programm: Der kleine Eisbär

 
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