Fokus 2014
Schwerpunkt Golden Years

Für die einen ist es eine ungünstige demographische Entwicklung, für die anderen ein Triumph des Fortschritts. Wie man es auch betrachten mag: dass wir alle immer älter werden, steht außer Frage.
Werbefirmen haben die „Best Ager“ zur zahlungskräftigen Zielgruppe erklärt, und ein neuer Trend heißt: „60 ist das neue 40“ oder entsprechend: „80 ist das neue 60“. Wo aber sind die queeren Alten, von
denen viele die Schwulen-, Frauen- und Lesbenbewegung maßgeblich mitgestaltet haben?!

Höchste Zeit für eine Filmreihe, finden wir! Darin treffen wir in der Dokumentation KATE BORNSTEIN IS A QUEER & PLEASANT DANGER auf eine der ganz wichtigen Trans*Aktivist*innen aus New York: Kate Bornstein wird euch mit ihrer Scharfzüngigkeit, ihrem unbändigen Humor und ihrem großen Herzen aus den Kinosesseln reißen! Überraschend zahm kommt der neue Film von Bruce LaBruce daher – wäre da nicht das kontroverse Thema: In GERONTOPHILIA verlieben sich ein 18- und ein 81-Jähriger ineinander. Eine nicht ganz so große Altersdifferenz gibt es in TRU LOVE, der vom Glück und von den Schwierigkeiten erzählt, die ein spätes Coming-out mit sich bringt – vor allem dann, wenn die neue Geliebte eine Freundin der eigenen Tochter ist. Spät wird es auch für Jun, eine Mutter, die ihren noch
jungen Sohn verloren hat und sich in LILTING mit dessen Leben auseinandersetzen muss. Auseinandersetzungen stehen ebenfalls für Ben und George an, ein älteres Paar, dessen Leben in LOVE IS STRANGE nach ihrer Hochzeit völlig auf den Kopf gestellt wird ... während sich in GARDENIA - BEVOR DER LETZTE VORHANG FÄLLT eine Gruppe alternder Travestiekünstler auf die letzte Welttournee begibt.

Eine Einführung in den Schwerpunkt Golden Years findet in deutscher Sprache vor der Vorführung von KATE BORNSTEIN IS A QUEER & PLEASANT DANGER statt.

Programm 1: Kate Bornstein Is A Queer & Pleasant Danger
Programm 2: Gerontophilia
Programm 3: Tru Love
Programm 4: Lilting
Programm 5: Love Is Strange
Programm 6: Gardenia - Bevor der letzte Vorhang fällt



Schwerpunkt Kronjuwelen

Zum 20. Jubiläum der LSF hatten wir Euch auch Langfilm-Perlen der letzten 20 Jahre präsentiert, aber zum 25. Jubiläum ist es uns ein Bedürfnis, euch mal Filme zu zeigen, die wir gerne schon in früheren Ausgaben der Filmtage ins Programm genommen hätten, das aber aus verschiedenen Gründen nicht konnten. Das wollen wir jetzt nachholen! So gibt es jetzt endlich die Möglichkeit, Rose Troches schon legendären Film GO FISH auf großer Leinwand zu sehen, der 1994, bei den 8. Teddy Awards in Berlin, als erster lesbischer Spielfilm den Preis gewann. Einen weiteren Teddy-Gewinner wollten wir euch
2001 unbedingt zeigen, zumal sogar ein Mitglied der Filmtage in der Teddy-Jury den Film als Gewinner mit ausgewählt hatte. Leider ließ sich der damalige Verleih „Arthaus“ nicht von seiner Strategie abbringen, den Film HEDWIG AND THE ANGRY INCH exklusiv beim „Verzaubert“-Filmfestival zu zeigen, womit er für die LSF gesperrt war. Und direkt im Anschluss musste die Kinowelt AG, zu der Arthaus gehörte, auch noch Insolvenz anmelden, womit der Film erst einmal weiterhin unzugänglich blieb und bis heute in Deutschland weder einen regulären Kinostart noch eine DVD-Veröffentlichung erhielt. Umso schöner, dass wir den Film jetzt endlich beim Festival zeigen können! Sehr freuen wir uns auch, dass es der Klassiker DER PRIESTER (der bis heute nicht in Deutschland auf DVD erschienen ist) endlich ins LSF-Programm geschafft hat – zumal er schon mehrfach von euch gewünscht wurde. Endlich im Program sind nun auch die Dokus POJKTANTEN – SHE MALE SNAILS sowie ERIK(A), DER MANN DER WELTMEISTERIN WURDE.

Eine Einführung in den Schwerpunkt Kronjuwelen findet in deutscher Sprache vor der Vorführung von GO FISH statt.

Programm 1: Go Fish
Programm 2: Hedwig and the Angry Inch
Programm 3: Der Priester
Programm 4: Pojktanten - She Male Snailes
Programm 5: Erik(a), Der Mann der Weltmeisterin wurde




Schwerpunkt Access Denied

Globale Krisen, Finanzcrashs und Perspektivlosigkeit führen zunehmend zu Migration und Ausschlüssen. Der Zutritt für bestimmte Gruppen zu elementaren Ressourcen der Gemeinschaft wird erschwert. In dieser Reihe beschäftigen wir uns mit Filmen, deren Protagonist_innen diese Grenzen überschreiten und damit die Privilegien der dominanten Mehrheit in Frage stellen. Sex, Race, Class und Gender sind die Marker dieser Ausgrenzung. Die Charaktere, denen wir folgen – ihre Plots, ihre Stimmungen und Symboliken – finden lokale Bilder für globale Entwicklungen. Und sie agieren mit neuen Waffen: mit angeeigneten Popsongs, eigenen Riten, Nagellack und tiefen Bissen. Sie lassen sich nicht klein halten. Dass der entfesselte Kapitalismus die Menschen zu Untoten macht, ist eine gängige Interpretation von Zombie- und Vampirfilmen und findet in EL DÍA TRAJO LA OSCURIDAD eine virtuose Umsetzung. Der Bankencrash in Ecuador bildet die Grundlage der Handlungsstränge in FERIADO zwischen reich und arm, indigen und weiß.
Einen anderen Kampf nimmt LA PASIÓN DE VERÓNICA VIDELA an: den mit der Universität, die sie nur nach „geschlechtsangleichender Operation“ aufnehmen will. Zwei Brüder in Griechenland brauchen
Pässe, einen Erfolg im Song-Contest und das verlassene Hotel XENIA. Im Reservat der Navajo sortieren sich Trans*Identität, Adoption und Vatersein neu (DRUNKTOWN’S FINEST).

Eine Einführung in den Schwerpunkt Access Denied findet in deutscher Sprache vor der Vorführung von FERIADO statt.

Programm 1: El día trajo la oscuridad
Programm 2: Feriado
Programm 3: La pasión de Verónica Videla
Programm 4: Xenia
Programm 5: Drunktown's Finest



bildwechsel Schwarmsichtung

Schwarmsichtung? Schwarmsichtung! Für alle, die es im letzten Jahr verpasst haben und natürlich auch für die Fans dieses wunderbaren Archivformats – wir laden wieder ein. Diesmal gibts echte Perlen aus der LSF-Vorzeit: Frisch digitalisiert warten auf euch die frühen kurzen Gewinner_innenfilme und -videos aus den ersten Jahren der Filmtage! Mitten in und während der Zeit des Festivals werden sie an diesem sehr speziellen Mittwochnachmittag bei bildwechsel, dem Künstlerinnennetzwerk mit umfangreichem Video archiv, erstmals zusammen gezeigt. Jede einzelne Perle natürlich für sich allein geputzt.
Wir freuen uns auf euren Besuch!

bildwechsel, Mittwoch 15.10., 14.00 – 21.00 Uhr, Eintritt frei


bildwechsel
Kirchenallee 25
20099 Hamburg
(in der Nähe des Hauptbahnhofs)
www.bildwechsel.org




Vortrag mit Filmausschnitten

Trans*cinema. 25 Jahre Gender Trouble im Spielfilm
von und mit Wibke Straube

Metropolis, Freitag, 17.10, 16.00 Uhr

Trans*Hauptdarsteller_innen in Spielfilmen sind spätestens seit den frühen 1990ern keine Seltenheit mehr. Dennoch finden sie kaum Eingang in reguläre Kinoprogramme, und oft sind sie ausschließlich auf queeren und Trans*Filmfestivals zu finden. Die Wissenschaftler_in Wibke Straube hat für das diesjährige Festival eine breite Palette dieser Filme zusammengestellt, die Einblicke in die verschiedenen Themen von trans* im Spielfilm geben werden. Wibke wird die politisch wichtigen wie auch problematischen Seiten dieser Filme mit Filmausschnitten vorstellen und Trends in den Darstellungen von genderqueeren und Trans*Figuren aufzeigen. Der Vortrag möchte dem Publikum einen Zugang zu diesen Filmen ermöglichen und in Auszügen aufzeigen, wie sie strukturiert sind, was sie zeigen, was sie auslassen und welches Potenzial in ihnen steckt, das unter anderem mit anderen Trans*Repräsentationen in der Kunst, im Theater oder in der Musik im Dialog steht. Kürzlich ist das von Wibke geschriebene Buch „Trans Cinema and its Exit Scapes“ erschienen, das während des Vortrags für einen Solipreis verkauft wird. Der Erlös geht als Spende an Kate Bornstein für ihre medizinische Behandlungen.

Der Vortrag ist in deutscher Sprache. Es wird eine englische „Flüsterübersetzung“ geben. Die Filmausschnitte haben englische Untertitel.

Der Eintritt für die Präsentation ist frei. Es wird um eine Spende für Kate gebeten.

Programm : Vortrag mit Filmausschnitten: Trans*cinema. 25 Jahre Gender Trouble im Spielfilm

 



International Conference - Queer Film Culture: Queer Cinema and Film Festivals

Universität Hamburg, Dienstag, 14.10. und Mittwoch, 15.10.


In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die queere Filmlandschaft stark weiterentwickelt. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg betrachtet die Konferenz den aktuellen Stand queerer Filmkultur in Form von queeren Kinofilmen und Filmfestivals. In Anbetracht der Tatsache, dass Bilder queerer Kultur überall und jederzeit abrufbar sind, stellt sich die Frage: Sind queere Filmfestivals wie die Filmtage Hamburg überhaupt noch notwendig? Welchen Zweck erfüllen sie für die queere Filmkultur? Was wird dort gezeigt? Was ist queeres Kino überhaupt? Befinden wir uns bereits in einer post-schwul-lesbischen Ära des weltweiten Kunstkinos oder ist das New Wave Queer Cinema bei uns angekommen? Während der zweitägigen internationalen Konferenz, die in Kooperation mit den Lesbisch Schwulen Filmtagen stattfindet, werden Film- und Festivalwissenschaftler_innen und Festival programmer gemeinsam diese Fragen diskutieren.

Das volle Programm findet ihr auf: www.queerfilmculture.org. Konferenzsprache ist Englisch.
Bitte meldet euch bis zum 10. Oktober unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. an!

Mit Vorträgen u.a. von B. Ruby Rich (University of California, Santa Cruz) und Dr. Marijke de Valck (University of Amsterdam) sowie Vorführung der Festivaldokumentation Queer Artivism.

On the occasion of the 25th anniversary of the Hamburg international Queer Film Festival, this conference aims to assess the status of queer film culture today in the form of queer cinema and film festivals. What is queer cinema today? What are the tasks and functions that queer film festivals serve for today’s queer film culture? What is shown at these events? Have we reached a post-gay era of global art cinema or has a new Wave Queer Cinema arrived? This two-day international conference in conjunction with the Hamburg international Queer Film Festival will bring together film and festival studies scholars, and festival programmers to discuss these issues.

 

 


 
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