Fokus 2016
Schwerpunkt BILDET BANDEN

Safe(r) Spaces und Verbündete sind wichtig, auch für LGBTIQ! Das ist klar, nicht erst seit dem Anschlag in Orlando oder seitdem wir wissen, dass die Situation in den Geflüchtetenunterkünften für queere Personen besonders schwierig ist. Es braucht solidarische Kompliz_innen, mit denen „zurückgeschlagen“ werden kann, um dis­kriminierende Zustände zu zer­stören!Mit solch einer Hamburger Bande, die sich 2015 kurz vor den Filmtagen gegründet hat, könnt ihr am Film­tagemittwoch in der Roten Flora diskutieren. Dort werden nach einem Kurzfilmprogramm Aktivist_innen von Queer Refugees Support anwesend sein und ihr könnt erfahren, welche Art von Solidarität sie sich aus der Community erhoffen. (S. 46)In vier Langfilmen zeigen wir euch, wie weitere Banden aussehen können: Gleich zur Eröffnung voguen in „Kiki“ (S. 8) schwarze und Latin@-LGBTIQ über die Leinwand. Das sieht nicht nur berauschend gut aus, sondern zeigt auch die Kraft, die solch wichtige Supportstrukturen geben. Eine queere Freund_innengruppe bietet Bruno in „O Ninho“ den Raum, sich und seine Sexualität zu entdecken. „Die Ritterinnen“ haben schon vor 30 Jahren mit einer feministischen, linksradikalen Kommune vorgemacht, wie befreiend und ermächtigend es ist, sich zusammenzutun und gemeinsam revolutionäre Aktionen zu planen. Und in „Ovarian Psycos“ cruisen Frauen* zusammen auf Fahrrädern durch die Straßen von Los Angeles, um sich in der Macho-dominierten Gesellschaft einen Platz (zurück) zu erobern. Also, lasst euch inspirieren und: Bildet Banden!


Programm 1: Ovarian Psycos
Programm 2: O Ninho
Programm 3: Die Ritterinnen




Schwerpunkt UN/DETECTABLE

Vor fünf Jahren haben die Filmtage im letzten Schwer­punkt zum Thema eine Bestandsaufnahme von
30 Jahren HIV/AIDS vorgenommen. Wie sieht es heute aus? Ist das überhaupt noch ein Thema? Welche Bilder zeigen uns Filmemacher_innen 2016 vom Leben mit HIV/AIDS? Oliver Ducastel und Jacques Martineau erzählen in „Théo und Hugo“ von ungeschütztem Sex im Club. Hugo ist HIV-positiv, aber dank der Medikamente ist das Virus nicht mehr nachweisbar – undetectable. Er kann somit praktisch niemanden infizieren, aber es bricht trotzdem Panik aus. Was wenn doch?
Deutlich nachweisbar ist das mit einer HIV-Infektion verbundene gesellschaftliche Stigma. So nutzte
Madonna zum Beispiel die große Öffentlichkeit ihrer „Blonde Ambition“-Tour 1990, um ein Bewusstsein für das Thema HIV/AIDS in die Welt zu tragen. Aber „Strike a Pose“ zeigt, wie einige ihrer damaligen
Tänzer trotzdem große Befürchtungen und Schwierig­keiten haben mit ihrem HIV-Status öffentlich umzugehen. Ausgrenzung inner­halb der Familie zeigen die Heymann Brüder in „Who’s Gonna Love Me Now?“ am Beispiel von Saar, der versucht die unterbrochene Verbindung zu seiner ultra-orthodoxen Familie
wieder aufzunehmen. Mit „Chocolate Babies“ haben wir einen kraftvollen Spielfilm aus den 90er-Jahren als Ergänzung zum Thema gefunden. In Anlehnung an die wütenden Proteste der ACT UP-Bewegung, beschließen die „Black Drag Queens with a political agenda“ gegen die ignorante HIV/AIDS-Politik in den bewaffneten Kampf zu ziehen. Mit der Diskussion zu „PrEP, PEP & Stigma“ wollen wir neben all den Filmen die Möglichkeit schaffen, über HIV/AIDS zu sprechen. Die Wichtigkeit dessen ist offensichtlich nachweisbar.

Programm 1: Théo et Hugo dans le même bateau
Programm 2: Strike a Pose
Programm 3: Who’s Gonna Love Me Now?
Programm 4: Chocolate Babies
Programm 5: Film & Diskussion PREP, PEP & Stigma – HIV & AIDS 2016 (The Proud Study)

 





Schwerpunkt COME AS YOU ARE

Vortrag

Sex ist politisch! Wie gut das aussehen kann, und warum das so ist, wollen wir strahlend ausleuchten und mit euch diskutieren. Als Gäste haben wir dazu Manuela Kay vom PornFilmFestival Berlin, Filmemacher und Porn Aktivist Charles Lum, New Queer Cinema Ikone Todd Verow, die queer-feministische Filmemacherin Marit Östberg sowie den Publizisten und Dozenten Peter Rehberg eingeladen.

Letzterer wird mit dem spannenden Vortrag „Cruising Utopia 2.0“ zu verschiedenen ökonomischen und politischen Aspekten von Porn das theoretische Gerüst unseres Schwerpunkts bilden. Ansonsten wird es explizit und very, very sexy. „Come As You Are“ bedeutet für uns: Sex und Porn können so viel mehr, als die immer gleichen Bilder von normierter Lust zu wiederholen. Queer Porn quasi als Antithese zum plaktiven „Cum Shot“ und optimierten Körperbildern. Wir zeigen: Was setzen queere Filme_macherinnen dem entgegen, welche Fragen werfen sie auf, welche Antworten können sie geben? Kommt und geht mit uns auf Entdeckungsreise! Sexuelles Begehren ist nicht statisch, sondern wandelbar und im Fluss. Diese These wird in all unseren Filmen aufgegriffen. Ergänzend zeigen wir in einem Blick zurück, welche Kontroversen inszenierter lesbischer Sex in den frühen 1990er-Jahren ausgelöst hat. Uns interessiert aber auch, wer guckt mit wem und wie Porn? Wie kann es einen Austausch geben? Begeistert sind wir deshalb von jeher über die Offenheit unseres Publikums beim traditionellen „Best of Porn Shorts“-Programm. Die Atmosphäre und Diversität des Programms schätzen wir sehr und sie spiegelt sich im Kino-­saal wieder. Das ist einzigartig und wir freuen uns, dass dieser Raum so von euch gefüllt wird. Kommt wie ihr wollt – die Filme dazu gibt es auf eurem Festival.

Programm 1: When We Are Together We Can Be Everywhere
Programm 2: Sex & the Silver Gays
Programm 3: Hanky Code: The Movie
Programm 4: Best of Pornfilmfestival Berlin
Programm 5: Airport
Programm 6: Vortrag Cruising Utopia 2.0

 


 
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